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01.02.2010

Der G20-Prozess – Kern einer nachhaltigen Weltwirtschaftsordnung?

Wir leben heute in einer Welt, die immer mehr zusammenrückt: Informationen jagen in Sekundenschnelle um den Globus, Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital sind unentwegt in Bewegung. Vor allem die Finanzmärkte sind aufs engste miteinander verflochten, wie uns die  internationale Finanzkrise eindrücklich vor Augen geführt hat. Daraus ergibt sich, dass einzelne Nationalstaaten in dieser Welt zunehmend weniger Möglichkeiten haben, im Alleingang wirksame Regeln aufzustellen und durchzusetzen.

Die Rolle der G20

Die zunehmende Integration der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte fordert eine weiterreichende internationale Zusammenarbeit im Wirtschafts- und Finanzbereich, ein ständiges Forum für den informellen Dialog zwischen Industrie- und Schwellenländern. Dieses Forum sind die G20. Die Stimmen und das Handeln dieser zwanzig Staaten haben Gewicht, schließlich stehen dahinter vier Fünftel der Weltwirtschaftsleistung, zwei Drittel der Weltbevölkerung und 90 Prozent des Welthandels.

Die G20 hat ihre Leistungsfähigkeit während der aktuellen Finanz- Wirtschaftskrise unter Beweis gestellt. Ihre Mitgliedsstaaten stimmten sich ab, um die Wucht der Krise zu mindern. Sie arbeiten gemeinsam an einer neuen Architektur des weltweiten Finanzsystems.

Auf den G20-Gipfeln in Washington im November 2008, in London im April 2009 und in Pittsburgh im September 2009 trafen die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten zentrale Entscheidungen für die Bewältigung der schwersten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit sowie für die Neuordnung der internationalen Finanzarchitektur, um Krisen wie diese in der Zukunft zu verhindern bzw. abzumildern. Hierzu wird der Umfang der Finanzmarktregulierung auf alle Akteure, Produkte sowie Märkte ausgeweitet und dafür gesorgt, dass die Regulierungsmaßnahmen konsistent und umfassend implementiert werden. Im Bankenbereich wird es strengere Eigenkapital - und Liquiditätsregeln, international gültige Rechnungslegungsvorschriften und eine strenger kontrollierende Finanzaufsicht geben. Ebenso wichtig ist es, die individuellen Entlohnungsregelungen der Bankmanager stärker an die nachhaltig positive Entwicklung des Unternehmens zu binden. Und nicht zuletzt müssen wir so bald wie möglich geordnet aus den Maßnahmen zur Krisenbekämpfung und Konjunkturbelebung aussteigen und einen stabilen, selbsttragenden und nachhaltigen Wachstumskurs einschlagen, um die Zukunft unserer Kinder und Enkel nicht zu gefährden.
Regeln für ein nachhaltiges Wirtschaften

Auch deshalb hat Deutschland eine internationale Charta für nachhaltiges Wirtschaften angeregt. Die Wirtschaftsordnung von morgen soll den Marktkräften Raum geben, sich zu entfalten, aber zugleich eine stabile, sozial ausgewogene Entwicklung der Weltwirtschaft sichern. Kurzsichtiges und kurzfristiges Denken kann sich die Staatengemeinschaft nicht mehr leisten. Wir sollten nicht zulassen, dass regellose Märkte unsere gesellschaftlichen Werte, die Legitimation unserer Wirtschaftsordnung und die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen gefährden.

Der G20-Prozess bietet die Möglichkeit, zentrale wirtschafts- und finanzpolitische Fragen im Kreis der Industrie- und Schwellenländer zu diskutieren und eine stabile, sozial ausgewogene und nachhaltige Entwicklung der Weltwirtschaft zu erreichen. Die G20 könnte der institutionelle Kern sein, aus dem eine auf Nachhaltigkeit angelegte Weltwirtschaftsordnung des 21. Jahrhunderts hervorgeht.